Eczo Bike – mit 2.000W Motorpower bergauf

Während die deutschen E-Biker noch damit beschäftigt sind die 250-Watt-Klasse zu beerdigen und auf 400/500W upzugraden, setzt Eczo Bike aus Moskau ein brachiales Nachrüstkit mit 2.000 Watt in die Spur…

Wieviel Power auf europäischen Straßen ein Rad befeuert, regelt nicht die Nachfrage oder der persönliche Adrenalinbedarf, sondern die EU-Richtline 2002/24/EG bzw. die im Ergebnis gleiche nationale Verordnung. Und darin ist von 2.000 Watt (Peak) bei 4 Sekunden von 0 auf 50 km/h nicht die Rede. Rechtlich gesehen handelt es sich beim Eczo-Kit in Summe um ein S-Pedelec und nicht um ein Pedelec oder E-Bike, es muss also mitgetreten werden. Da die Peakgeschwindigkeit aber jenseits der 45km/h liegt und nicht abgeregelt wird, nunja…

Um es auf den Punkt zu bringen: das Rad wäre im europäischen Straßenverkehr nicht erlaubt. Damit ist es nicht alleine, denn das betrifft auch Race-Kraftpakete wie das M1 Spitzing (850W / 0-50 km/h in 7,5 Sekunden) oder den US-Panzer Terminus von M55 (2000W / bis zu 120 km/h).

Dmitry Bogdantschikow, einer der Gründer und Entwickler von Eczo Bike, kratzt das im fernen Moskau wenig. Er designte mit seinem Team frei von Regelungen und Vorschriften den Prototypen und setzte dabei in Sachen Motortechnik und Elektronik voll auf russische Ingenieurskunst und den omnipräsenten Pragmatismus, den viele Produkte aus Russland auszeichen. Aus Südkorea stammt der Li-Ion Akku des Boliden.

Update vom 23.11.2016

(Erstveröffentlichung am 16. Oktober 2016)

Inzwischen und nach einem sehr regen Informationsaustausch mit Prime Mountainbiking hat Eczo reagiert und wird eine nach dem EU-Recht konforme Straßenversion mit einem in 15 Minuten austauschbaren Wechselmotor (500W) anbieten. Der Motor liegt innerhalb der von der EU vorgegebenen Parameter für S-Pedelecs. Alle anderen Ausstattungsdetails wie Anti-Diebstahl-Sicherung, GPS, Kommunikationsmodul, beheizbarer Akku und Navigation bleiben bestehen. Das System ist bereits per Pre-Order bestellbar. Anhand der Höhe der Vorkasse berechnet sich die Rabattierung für die ersten Kunden:

890 Euro Vorauszahlung = 40% Rabatt.
550 Euro Vorauszahlung = 25% Rabatt.
200 Euro Vorauszahlung = 10% Rabatt

Alle Fotos zum Eczo-Kit gibts hier in der Fotostrecke

Installation

Das Eczo-Kit lässt sich laut Dmitry an so ziemlich jedes Bike, vornehmlich aber Mountainbikes, in das Rahmendreieck integrieren. Dieses sollte nicht zu klein ausfallen, denn das voluminöse Akkupaket reserviert sich den größten Teil davon. Die Elektronik- und Antriebseinheit liegt gegenüber auf dem Unterrohr und verlängert die Kette über das Kettenblatt nach vorne auf das motoreigene Ritzel. Es wird also eine längerer Kette benötigt.

Das komplette System wiegt je nach Ausstattung zwischen 7 und 10 Kilogramm. Ein komplettes Mountainbike der Mittelklasse kommt demnach in Sachen Gesamtgewicht auf etwa 20kg oder auch etwas mehr. Dem ist in Sachen Bremsleistung und Rahmensteifigkeit Rechnung zu tragen und das liegt bei einem Umbau in der Verantwortung des Fahrers.

Eczo-Technik – leichtgewichtiges Kraftpaket

Für den kleinen Einkauf im Supermarkt am anderen Stadtende braucht es wohl kaum ein 2 PS-Triebwerk. Es sei denn, es ist Ziel auf dem Weg dorthin die gesamte Rennradgemeinde des RC Klein-Wülferode beim Ortsschildsprint platt zu machen. Mit etwas mehr Daumendruck reicht es auch problemlos für den Straßenweltmeister als Gastfahrer. Wer darauf Wert legt den Anstieg auf den Wank ab Partenkirchen mit streckenweise mehr als 24% auf Kies in ICE-Manier zu bewältigen und der in dieser Richtung dünnen Konkurrenz zu einer Depression zu verhelfen, ist gut ausgerüstet und kommt mit der stärksten Ausstattung auf mehr oder minder 100 Kilometer. Das ist nicht viel, angesichts doppelter Laufleistungen bei alternativen Bikes. Aber die haben eben auch nicht so viel Drehmoment.

Zugegeben, angesichts der monströsen Motorleistung hätte man nun eine noch monströsere Batterieleistung erwartet. Schließlich lassen sich die aktuellen 500Wh-Zellen der Performance- und Active-Line von Bosch auch als Rahmen- und Gepäckträgerakku parallel schalten und somit 1000Wh erzielen. Mehr Akkukapazität bedeutet aber auch höhere Kosten, mehr Gewicht und Platzbedarf. Für den Einsatzzweck scheint der Akku also gut dimensioniert zu sein.

Das Batteriepack wird übrigens ab 0 Grad Außentemperatur beheizt, um zu starkem Leistungsverlust vorzubeugen. Dies kostet natürlich ebenfalls Batterieleistung und verkürzt die maximale Strecke. Ob der Akku bei geringen Temperaturen auch langfristigen Schaden nimmt, ist generell noch unklar. Das betrifft auch andere Hersteller. Wer noch ein Samsung Note 7 hat, kann das ja zum Heizen benutzen…

Drei Versionen – es geht auch ziviler

Neben der Hulk-Version mit 2000 Watt Leistung und 1000Wh-Akku soll auch eine deutlich günstigere Lösung mit einem leistungsschwächeren Akku bei 650Wh angeboten werden, die bei gleichem Motor 55 bis 75 Kilometer Strecke schafft. 2kW sind also gesetzt, den Preisunterschied machen Akku und Ladegerät sowie ein Plus an Ausstattung aus.

Für das Topmodell „Expert“ werden in der Preorder 1440 Euro fällig. Inklusive ist ein 900W Ladegerät, Drucksensoren für die Reifen und eine Andoid/iOS-App mit Navigation, Anti-Diebstahl-System und Fernsteuerung, sowie ein weiteres Jahr Garantie. Verzichtet man auf die beiden letzten Optionen, lassen sich 200 Euro sparen, denn dafür gibt es das Modell „Mountain“. Einen nicht minder kraftvollen Auftritt vor der gut besuchten Eisdiele lässt sich auch mit der „Town“-Edition mit besagtem, kleineren Akku und Ladegerät hinlegen. Die Beschleunigung ist jedoch die gleiche.

Lieferzeiten und Finanzierung

Ob und wann Eczo auch nach Deutschland liefert, ist heute noch unklar. Zur Zeit ist das Projekt in der Crowdfunding-Phase, wenngleich Eczo auch bereits eine Preorder auf der eigenen Website eröffnet hat. Denn dort angegeben Preisen müsste dann noch die Einfuhrumsatzsteuer hinzugerechnet werden.

Nachtrag: Wem die 2kW übrigens nicht reichen, der wartet auf die geplante 2,5kW-Version!