Länger, flacher, schneller? Wir haben das Pole Evolink 150 in den verschiedensten Trailsituationen getestet und dem finnischen Riesen auf den Zahn gefühlt. Hier liest du unser Ergebnis!

In der finnischen Mythologie ist häufig die Rede von Riesen, welche das Land und seine Topographie, ja sogar ganze Inseln, maßgeblich geprägt haben. So sollen zum Beispiel zwei Riesen die Insel Island von ihrem Vater als Spielplatz geschenkt bekommen haben. „Einer davon scheint wohl gerne Fahrrad zu fahren“, haben wir gedacht, als das Pole Evolink 150 in XL bei uns vor der Tür stand. Wie um alles in der Welt soll diese schwarze Dampflock um eine Kurve rum gehen, werden meine Arme lang genug sein, den Lenker zu erreichen und kann man damit einen Anlieger fahren, ohne umsetzen zu müssen?

Das Pole Evolink 150 in all seiner ausbordenden Pracht.

Erster Eindruck

Im ersten Moment leidet der Betrachter des Pole Evolink unter einer Art Gehirnfrost, der Mund steht etwas auf und die Stirn zeigt das Profil der Aiger Nordwand. Wie geht denn das bitte zusammen? Der superflache Lenkwinkel (63,5°) steht im krassen Kontrast zu dem sehr steilen Sitzwinkel (77,5° effektiv) und man fragt sich, ob es jetzt ein Downhill-Bike oder ein Enduro ist? Die Antwort muss wohl irgendwo dazwischen liegen. Der Radstand unseres Testrades mit 27,5er Laufrädern liegt bei 1344mm und ist damit mal eben 7,9cm länger, als ein schon stattliches Mondraker Dune Carbon in XL. Verbaut man einen 29“ Laufradsatz, was absolut kein Problem darstellt, kommen noch ein paar Millimeter dazu. Vorne ist das Große Schwarze mit einer RockShox Lyrik RCT3 inklusive Boost-Standard ausgestattet und verfügt über 160mm Federweg. Irgendwo weiter hinten arbeitet ein RockShox Monarch Plus RC3 Debonair. Diese Fahrwerk-Kombination sollte dem Begriff Stempeln eine neue Definition geben.

Bereits auf den ersten Blick fällt auf, dass das Pole Evolink 150 ein ganz besonderes Fahrrad ist.

Die restliche Ausstattung ist insgesamt sehr durchdacht gewählt: SRAM Guide RSC bremsen ordentlich, eine SRAM GX-Ausstattung kostet nicht viel, hält ewig und arbeitet zuverlässig, ein Carbonlenker von Raceface drückt das Gewicht ein wenig und den DTSwiss 1501 Laufradsatz bringt so schnell auch nichts aus der Balance. Nur der von Leo Kokkonen persönlich, in einer durchzechten Nacht, kreierte Sattel könnte dem Gesäß ein wenig mehr schmeicheln. Insgesamt lässt die Ausstattung nichts vermissen.