Mit fünf deutschen Meistertiteln war sie eine der deutschen Nachwuchshoffnungen im Cross Country bis eine Knieverletzung die Träume platzen ließen. Aus Spaß und weil nichts anderes möglich war, stieg sie auf’s Enduro und wurde mal so nebenbei deutsche Vizemeisterin. Wir haben uns mit der symphatischen Sofia Wiedenroth über Cross Country-Fähigkeiten im Enduro, E-Bikes und ihre Zukunftspläne unterhalten.

Sofia Wiedenroth im Interview

Foto: Rotwild

Steckbrief

Alter 23 Jahre
Wohnort Lindau
Ausbildung Bachelor International Management
Team AMG Rotwild Team
Instagram @sofiawie

Erfolge

  • Deutsche Vizemeisterin Enduro 2014 & 2018
  • 5-fache Deutsche Meisterin XCO (U17, U19, U23)
  • Vize Weltmeister XCO U19

 

Hi Sofia, stell dich bitte kurz vor.

Hi, ich bin Sofia, komme von Lindau am Bodensee und fahre seit 15 Jahren Mountainbike Rennen.

Du kommst eigentlich aus dem Cross Country, wie bist du zu Enduro gekommen?

Ich hatte 2014 bereits eine recht langwierige Knieverletzung und war dann auf den Rotwild Events mit Richie Schley, Stephan Koch und den Gravity Jungs eher im Bikepark unterwegs. Das hat mir super viel Spaß gemacht. Mein Teammanager, Danny Herz, hatte mir dann in Saalbach Hinterglemm zum Bikes & Beats Festival ein 140 mm Fully zum Ausprobieren aufgebaut und klar hatte ich mich dann direkt zum dortigen Enduro Rennen angemeldet. Dass ich das Rennen dann auch noch gewinnen konnte, war natürlich der Superhit. 2015 wollte ich dann eigentlichen mehr Enduro Rennen fahren, aber dadurch, dass ich wieder im Weltcup vorne mit dabei sein wollte, war ich an den Wochenenden ständig auf der Jagd nach UCI Punkten, um meine Startposition zu optimieren. Hinzu kam, dass die European Series und auch die damalige Specialized Sram Serie eingestellt wurde und kein Rennen wirklich in der Nähe war.

Eine langwierige Knieverletzung zwang Sofia auf mehr Federweg und Bikeparks umzusteigen. Die ersten Erfolge folgten dann aber sehr schnell. | Foto: Rotwild

Was haben die beiden Disziplinen gemein, was unterscheidet sie?

Beide Disziplinen verlangen viel Kondition, Kraft und Fahrttechnik. Die Enduro Rennen gehen zum Teil bis zu sechs Stunden am Tag, was wie im Cross Country viel Grundlagentraining voraussetzt. Klar, im Enduro geht es tendenziell mehr bergab, aber auf den Transfers wie auch in den Stages ist es wie im XCO eine Mischung aus beidem. Ein großer Unterschied ist, dass es im Cross Country ein Massenstart ist und man im direkten Kontakt mit den Konkurrenten fährt. Dabei kann Taktik über Sieg und Niederlage entscheiden. Das gibt es im Enduro nicht. Hier bist es nur du, dein Bike und die Strecke.

Kannst du von deiner XCO-Karriere im Enduro profitieren?

Ja, ich denke meine strukturierte Trainingsweise und generell meine Rennerfahrung helfen mir im Enduro sehr.

Anfangs hat Sofia reines Cross Country-Training noch gereicht, heute fordert Enduro viel mehr. | Foto: Rotwild

2014 bist du mit gerade mal 20 Jahren Deutsche Vizemeisterin im Enduro geworden, 2018 wieder. Was hat sich seitdem im Enduro verändert?

Die Leistungsdichte hat sich stark verändert. Es werden immer mehr Fahrer und alles wird professioneller. Die Jungs und Mädels fahren immer schneller. 2014 bin ich quasi einfach so mitgefahren und wurde Zweite. 2016 lag mein Fokus immer noch auf dem XCO und ich bin wieder bei der Enduro DM ohne Vorbereitung mitgefahren und wurde nur noch Sechste. Da hat das reine XCO Training nicht mehr ausgereicht. Auf die DM 2018 hatte ich mich richtig spezifisch vorbereitet. Ich bin zwar die gleichen Intervallprogramme wie vor einem wichtigen XCO Rennen gefahren, aber insgesamt habe ich deutlich mehr Trainingsstunden auf meinem Endurobike verbracht und bin im Vorfeld auch mehr Rennen gefahren.