Der Begründer von Tubeless und NoTubes, Stan Koziatek, spricht über Vorurteile gegenüber Tubeless, der Gründung seines Unternehmens und der optimalen Felge. 

Als leidenschaftlicher Biker war Stan genervt von ständigen Platten und tüftelte an einem eigenen System, um Löcher in den Schläuchen den Garaus zu machen. Er ersetzte den Schlauch durch eine Flüssigkeit. Damit war Tubeless im Radpsort Anfang der 2000er geboren, aber noch weit von dem heutigen Standard entfernt. Stan Koziatek von Stan’s NoTubes im Interview über den Werdegang des Tubelesssystems.

Stan Koziatek, auch mit 67 Jahren noch immer voller fortschrittlicher Ideen

Stan Koziatek im Interview

Ich denke nicht „Out of the box“. Ich weiß noch nicht einmal, dass da eine Box ist.

 – Stan Koziatek.

 

Hi Stan, jeder Mountainbiker hat wohl schon mal was von Stan’s NoTubes Sealant gehört. Erzähl uns, wie du auf die Idee von Tubeless Milch gekommen bist.

Alles begann mit einem ganz persönliches Problem – nämlich den ständigen Plattfüßen bei den Biketouren mit meiner Frau Cindy. Die Steinfelder und Dornen im Nordosten der USA bescherten uns unzählige Löcher in den Schläuchen. Das wollte ich einfach nicht akzeptieren!
Einige Firmen entwickelten bereits Schlauchlos-Systeme, die einen speziellen und sehr schweren Reifen erforderten und dennoch nicht wirklich zuverlässig funktionierten. Ich wollte einen anderen Ansatz verfolgen: Eine Flüssigkeit, mit der man normale MTB-Reifen ohne Schlauch fahren konnte und die gleichzeitig Durchstiche sofort luftdicht verschließt. Ich habe keine Ausbildung als Ingenieur oder dergleichen, ich bin einfach der Typ, der solange experimentiert, bis das Problem gelöst ist. Nach dem Prinzip „Versuch macht klug“ experimentierte ich mit verschiedensten Arten von Latex und Partikeln bis ich mit der Mixtur zufrieden war – die „Original Formel“.

Wie ging es weiter?
Ich hatte jetzt zwar das Sealant, aber musste feststellen, dass alle Felgen am Markt nicht für die Nutzung ohne Schlauch ausgelegt waren. Also startete ich wieder von vorne – diesmal mit meinem eigenen patentierten Felgendesign. Ein Freund half mir, eine Felge nach meinen Entwürfen aus einem riesigen Block Aluminium zu fertigen. Das war der wegweisende Schritt in die Richtung, wie fast alle Felgen heutzutage aussehen.
Als das System „Tubeless“ ausgiebig und erfolgreich getestet war, unter anderem von Profi-Athleten bei den Olympischen Spielen, wollte es jeder ambitionierte (Wettkampf-) Biker fahren. Reifen- und Felgenhersteller erkannten das Potential und sendeten mir ihre Produkte zu, um zu erfahren, wie gut ihre Produkte Tubeless funktionieren und wie man sie besser machen könnte. Denn darum ging es mir hauptsächlich: Technologien vorantreiben, Produkte verbessern und Probleme lösen! Das lag mir so am Herzen, dass ich die Kontrolle der fremden Produkte ohne jegliche Bezahlung machte!

Alles begann mit Tubeless-Milch und nahm mit der Produktion von revolutionären Felgendesigns seinen Lauf.

Was sind deiner Meinung nach die hartnäckigsten Vorurteile gegen Tubeless?
Die vermeintlich schwierige Montage, bei der sich die Reifen kaum auf der Felge montieren lassen oder der Reifen, der partout keine Luft halten will; die Sauerei beim Einfüllen der Dichtmilch bzw. beim Reifenwechsel; die mangelnde Abdichtung der Dichtflüssigkeit, die nicht mal kleinste Löcher abdichtet und die Gewichtszunahme nach mehrmaligen Nachkippen der Flüssigkeit. Also viele Punkte, die eigentlich gegen eine Umrüstung auf Tubeless sprechen…
Aber Vorurteile entsprechen nicht immer der Wahrheit! Mit dem richtigen Material und der richtigen Montage ist ein Tubeless-Setup innerhalb weniger Minuten installiert. Da „Tubeless-Ready“ ein sehr weit definierter Begriff ist, kann es Reifen-Felgen-Kombinationen geben, die trotz korrekter Montage etwas mehr Geduld erfordern. Mittlerweile kann man aber sagen, dass aktuelle Tubeless Ready Produkte immer zum Erfolg führen.