Der erste Tag in Fort William ist rum – jedenfalls das erste Training sowie die Timed Session. Und es haben sich bereits ein paar Favoriten heraus kristallisiert! 

Text: Jana Zoricic
Bilder: Sebastian Sternemann & Jana Zoricic
Strahlender Sonnenschein, kaum Wolken, eine seichte Brise – kein Wetterbericht, den man aus dem rauhen Norden der schottischen Highlands gewohnt ist. Doch genau das war heute und auch in den letzten Tagen der Fall. Gestern hing zu Ehren Steve Smiths die kanadische Flagge in der World Cup Village – gefolgt von einem riesigen Train aller World Cup Racer, die in roten T-Shirts mit der Aufschrift „Long Live Chainsaw“ die Strecke mit Staub einnebelten. Eine Geste, die schöner hätte nicht sein können.

Die Streckenverhältnisse waren heute weiterhin staubig und schnell. Man merkte ab der ersten Abfahrt, dass alle richtig Bock bei dem perfekten Wetter haben: Vollgas ab der ersten Abfahrt, Kurven im Drift und wild herumfliegende Steine. Doch im unteren Drittel des Tracks, nach den berühmten steinigen Brechsand-Kurven an den Hängen des Ben Nevis folgt ein Waldstück, das sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hat – vom Staub auf nasse Steine, weiter in frischen, freigelegten Waldboden, der eine spannende Linienwahl prophezeit. Welche Line ist schneller, aber fährt sich vielleicht im Laufe des Wochenendes kaputt? Schnell hat sich das neue Stück als Schlüsselstelle entpuppt. Aber Eins steht fest: Die Zeiten werden eng, trotz der quälenden Länge des Tracks hier in Fort William.

Diesmal sind auch eine Menge deutscher Fahrer dabei, die das Fahrerfeld aufmischen. Jasper Jauch fühlt sich dieses Jahr besonders gut und lässt eine extra Portion viel Staub stehen. Seine Kollegen vom Liteville Racing Team haben ebenfalls Bock und geben Vollgas. Max Kruse und Till Ulmschneider haben unendlich Spaß und machen eine Abfahrt nach der Anderen. Steffi Marth represented allein in der Womens Class, aber das macht sie auch schon verdammt gut. Die Jungs vom Radon Magura Factory Racing Team sind natürlich auch mit Johannes Fischbach und Benny Strasser am Start. Wir drücken allen fest die Daumen für die Quali morgen und hoffen, so viele wie möglich am Sonntag nochmal zu Gesicht zu bekommen!

In der Timed Training Session war Danny Hart der Schnellste – und gefühlt war er es auch den ganzen Tag. Er fühlt sich scheinbar pudelwohl, obwohl Regen und Matsch ja eher seine Stärke ist. Ob er der Mann fürs Podium am Sonntag ist? Aaron Gwin ist gewohnt entspannt aber verdammt schnell, der aber auch gerne mal seinen Schützling Angel Suarez vorfahren lässt. Was für eine Motivation muss das wohl sein, den Gwinner im Nacken zu haben?

Da Bruni fehlt, weiß man aber nicht so recht, wie der Rest von der Box aussehen wird. Seine Kollegen Loris und Finn haben ebenfalls richtig Bock, ob es für eine Top Platzierung reicht ist aber fraglich. Troy Brosnan machte ein paar gemächliche Abfahrten auf seinem pinken Geschoss – aber gewohnt sauber. Bei den Frauen wirkt Rachel weiterhin ungeschlagen – Manon ist fit, aber Rachel scheint ihr eine Nasenspitze voraus zu sein. Tahnee Seagrave ging zwar heute zum Training, muss sich aber schonen da sie sich eine schwere Prellung am Ellenbogen zuzog. Trotzdem war sie zügig mit einer Menge Flow unterwegs, hielt sich jedoch den Ellenbogen an jeder Stelle, an der es möglich war. Somit ist fraglich, ob sie Sonntag überhaupt an den Start gehen wird. Doch wer ihren eisernen Willen kennt, der weiß, dass die junge Britin immer für eine Überraschung gut ist. Auch Steve Peat hat im Timed Training gar nicht so schlecht abgeschnitten – da ist die Frage, ob seine eigens eingerichtete Bar ihn motiviert oder die Aura, die sich um seinen letzten World Cup auf heimischen Boden rankt.

Der World Cup Zirkus ist wieder in vollem Gange und ihr seid mittendrin!

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AKTUELLE AUSGABE


Morgen geht es los mit den Qualifikationsläufen. Ob wir einen ersten Ausblick auf das Ergebnis am Sonntag bekommen werden oder im Finale nochmal alles durchgemischt wird? In den Highlands ist alles möglich! Wir freuen uns jedenfalls auf tausende von Fans – die Fort William zum König der World Cups machen. Cheers!